Hellrot leuchtend ziert er den Brustbereich eines schmutzigen Gewandes: der Begriff "hybrid". Als Neonschriftzug bezeichnet er sinnbildliche Verschmelzung zweier unterschiedlicher Arten. In diesem Fall sind es Mensch und Rind, denn das Kleid entpuppt sich als eine Schürze aus Rindsleder, die ursprünglich einen Schweißer - wie eine zweite Haut - vor Funkenflug schützte.
Als Werks- und Ausstellungstitel zieht sich "hybrid" wie ein roter Faden durch die Exponate von Mario Urlaß in der ökumenischen Seelsorgeeinrichtung +punkt. im Neuenheimer Feld. Der 1966 in Zwickau geborene Künstler ist für seine fantasievollen Objekte, Bilder und Zeichnungen sowie für extravagante Materialien bekannt. In seinem Wieslocher Atelier schafft er auf der Basis eines breiten biologischen Wissens erstaunliche Neuschöpfungen, in denen er unterschiedliche Elemente aus der Natur vereint und damit spielerisch auf die Möglichkeit anderer, zukünftiger Hybride verweist. Genau hinsehen muss man beispielsweise bei einem sonderbaren, blumenartigen Gebilde unter Glas, dessen Kelch und Blütenstempel tatsächlich aus Entenfüßen und Blasentang bestehen.
Bewusst flicht der Künstler bei der Gestaltung die Gegensätze von Anziehung und Abstoßung mit ein. Das gilt auch für die hübsche "Koralle", die sich aus Dutzenden präparierter Hühnerkrallen herausbildet und ihrerseits auf die enge Verwandtschaft zwischen Fora und Fauna verweist.
Urlaß, der seit 2003 als Professor an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg Kunst und Didaktik lehrt, versteht es, mit seinem experimentellen Ansatz und dem Moment der Verblüffung etwas Übergeordnetes auszudrücken. Man gerät ins Staunen und begegnet der Vielfalt und Schönheit der Natur wie in einer Wunderkammer zeitgenössischer Kunst.
Rhein-Neckar-Zeitung 07.03.2022
Wir danken Julia Behrens für die Möglichkeit, den Bericht auf unserer Seite zu veröffentlichen.
Paul Stoltze im +punkt. bei der Vernissage von Mario Urlaß


